Marshall Heston 60 im Test: Die Soundbar, die der Sonos Beam Konkurrenz macht
Marshalls kleinere Heston-Soundbar ist ein neuer Herausforderer
Die Heston 60 ist genau das, was Marshall versprochen hat – eine kompakte Dolby-Atmos-Soundbar mit hervorragender Klangqualität und einem auffälligen Design, das sie klar von der Konkurrenz abhebt. Die Software überzeugt allerdings nicht vollends, und für ihre Größe ist sie recht teuer. Unterm Strich ist sie damit eine spannende neue Option – aber nicht automatisch die beste auf dem Markt.
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Für ihre Größe beeindruckender Sound, dazu breite Unterstützung moderner Audiocodecs
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Sehr cooles Design – mit flexibel drehbarer Ausrichtung
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Funktionsumfang beim Sound wirkt etwas eingeschränkt
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Aktuell keine Surround-Optionen verfügbar
Warum können Sie T3 vertrauen?
Kerstin Findeisen
Wir haben lange darauf gewartet: Seit Marshall angekündigt hat, in den Soundbar-Markt einzusteigen – und direkt mit der äußerst beeindruckenden Heston 120 debütierte – war klar, dass eine kleinere, massentauglichere Soundbar folgen würde: Die Heston 60.
Als jemand, dessen Wohnzimmer nie genug Platz für die größere Heston 120 (oder die Sonos Arc Ultra) gehabt hätte, bin ich stattdessen perfekt positioniert, um die kleinere, neuere Heston 60 anstelle meiner ursprünglichen Sonos Beam zu testen.
Und genau das habe ich für diese Bewertung getan: In den letzten zwei Wochen habe ich sie mit beiden Generationen der Sonos Beam verglichen, um sie wirklich auf Herz und Nieren zu prüfen. Wenn man als eine der besten Soundbars gelten möchte, muss man schließlich in vielen Bereichen überzeugen. Wie schlägt sich also Marshalls erste kompakte Option?
Preis und Verfügbarkeit
Der Markt für kompakte Soundbars reicht von absoluten Billigangeboten bis hin zu deutlich premium-orientierten Modellen – und es ist recht deutlich, dass Marshall auf Letzteres abzielt.
Die Heston 60 ist ab sofort erhältlich und kostet 599,99 Euro.
Das ist ein ordentlicher Batzen Geld für eine Soundbar ohne zusätzliche Hardware und liegt entscheidend etwas über dem Preis des größten Konkurrenten, der Sonos Beam Gen 2, die bei 499 Euro liegt.
Die Preisdifferenz variiert je nach Region, aber eines wird dadurch klar: Marshall spart hier nicht an der Ausstattung – oder rechnet vielleicht damit, dass früher oder später eine Sonos Beam Gen 3 erscheint, die dann wahrscheinlich ebenfalls teurer wird.
Design und Ausstattung
Die Heston 60 zeigt Marshall in absoluter Design-Bestform – und hebt sich damit klar von der riesigen Masse an austauschbaren, schwarzen Soundbars ab, die den Markt seit Jahren dominieren. Wenn du dachtest, Sonos sei mit einer weißen Beam schon mutig gewesen, dann ist die Heston 60 noch einmal eine ganze Ecke beeindruckender.
Wie schon die größere Heston 120 übernimmt auch die Heston 60 alles, was man an Marshall-Lautsprechern liebt, und übersetzt es in eine kompakte Soundbar mit einer Länge von 73 cm. Bedeutet: Ein feinmaschiges Gewebe umhüllt das Gehäuse und verbirgt die verschiedenen Treiber. In der Mitte sitzt das Marshall-Logo samt Bedienfeld auf einer schicken Messingplatte.
Im Gegensatz zur Heston 120 kommen hier keine Drehregler zum Einsatz – laut Marshall, weil Käufer*innen in diesem Preisbereich Schlichtheit über Zierelemente stellen. Dafür bringt die Heston 60 ein ziemlich einzigartiges Design-Feature für Wandmontagen mit.
Im normalen Betrieb, also wenn sie auf einem Regal oder Lowboard steht, zeigt die Soundbar ihre schmalste Seite nach vorn, während die breitere Fläche nach oben weist. Montiert man sie jedoch an der Wand, lässt sich das Ganze umdrehen: Die Heston 60 steht dann quasi „hochkant“, und die größere Fläche zeigt in den Raum.
Damit das optisch weiterhin perfekt sitzt, lassen sich sowohl das Marshall-Logo als auch die Abdeckung der Bedientasten dank Magneten abnehmen und in der richtigen Ausrichtung wieder anbringen.
Das ist nicht nur clever, sondern technisch auch beeindruckend gelöst: Ein integriertes Gyroskop erkennt die Orientierung der Soundbar und passt die Soundausgabe automatisch an. Laut Marshall soll zwischen beiden Betriebsarten absolut kein hörbarer Unterschied bestehen.





Das Tastenfeld auf der Oberseite bietet dir eine Reihe direkter Steuerungsmöglichkeiten, die auch in der App verfügbar sind. So kannst du zwischen den verschiedenen Audiomodi wechseln (Music Mode, Movie Mode, Night Mode und Voice Mode), die Eingangsquelle ändern (Wi-Fi, HDMI, Bluetooth oder AUX), Musik abspielen oder pausieren, die Lautstärke regeln und sogar mit nur einem Knopfdruck voreingestellte Playlists oder Radiosender starten.
Auf der Rückseite verbergen sich die Anschlüsse der Soundbar: Ein HDMI-Port für eARC/ARC, ein AUX-Eingang für kabelgebundene Audioverbindungen, ein RCA-Monostecker zum Anschluss eines Subwoofers und ein vielseitig nutzbarer USB-C-Port.
Beim Sound setzt die Heston 60 auf ein zentrales Versprechen: Trotz der kompakten Größe handelt es sich um eine vollwertige Dolby-Atmos-Soundbar. Sie kann also dreidimensionale Audioformate decodieren und eine breitere wie höhere Klangbühne erzeugen. Dank ihres speziellen Designs sollen die nach oben gerichteten Treiber sogar mehr vertikalen Output liefern als viele andere Modelle dieser Größenklasse.
Auch die Codec-Unterstützung ist beeindruckend umfangreich. Neben Dolby Atmos und DTS-X für immersiven Sound unterstützt die Soundbar unter anderem SBC, LC3, AAC, MPEG-4, ALAC, FLAC, LPCM, Ogg Vorbis, WMA und WMA9.
Für Musikstreaming bist du hervorragend aufgestellt: Die WLAN-Verbindung ermöglicht AirPlay 2, Google Cast, Spotify Connect und Tidal Connect – und natürlich kannst du alternativ auch Bluetooth verwenden.
Klang und Leistung
Aus Design-Sicht hat Marshall mit der Heston 60 wirklich ganze Arbeit geleistet, aber das ist eben nur die halbe Miete. Denn der Grund, warum so viele Soundbars so austauschbar aussehen, liegt nun mal daran, dass am Ende vor allem die Klangqualität zählt.
Hier sammelt Marshall in meinem Test weitere Pluspunkte – die Heston 60 erweist sich als eine wirklich hervorragende kleine Atmos-Soundbar, die mit beeindruckender Klangfülle aufwartet und trotz ihres kompakten Einzelgehäuses eine überraschend ausgeprägte räumliche Wirkung erzielt.
Ich habe die Heston 60 mit 4K-Blu-rays, Apple-TV-Streams und verschiedenster Musik getestet – und ehrlich gesagt: Sie hat in keinem Szenario meine Erwartungen verfehlt.
Der Sound ist präzise, detailreich und ideal für kleine bis mittelgroße Räume (so wie mein Wohnzimmer). Filme und Serien wirken plötzlich tiefer und nuancierter, als man es von einer kompakten Soundbar erwarten würde.
Der Bass hat mich ebenfalls positiv überrascht – kräftig genug, dass die meisten Nutzer*innen keinen zusätzlichen Subwoofer brauchen werden.
Ich habe in der zweiten Testwoche den Heston Sub 200 ausprobiert, den mir Marshall bereitgestellt hat. Der Subwoofer ist eine praktische Ergänzung, doch durch seine Maße und den hohen Preis stieg sowohl der Platzbedarf als auch der Gesamtpreis deutlich an. Mit satten 429,99 Euro Aufpreis ist er für viele Menschen, die eigentlich eine kompakte Soundbar suchen, schlicht keine logische Wahl.
Zwar liefert er großartigen Tiefbass und einen deutlichen Bass-Schub, aber ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht, warum man nicht direkt zur Heston 120 greifen sollte, wenn bereits genug Platz und Budget für einen so wuchtigen Subwoofer vorhanden sind.
Zurück zur Heston 60: Das Versprechen, mehr Höheneffekte zu erzeugen als etwa die Beam – Stichwort Dolby Atmos – ist ein großes. Und ja, sie liefert diese Effekte grundsätzlich. Allerdings handelt es sich weiterhin um virtualisiertes Atmos, das über Reflexionen an der Zimmerdecke arbeitet. Damit lässt sie sich nie mit echten Decken- oder Surround-Lautsprechern vergleichen. Trotzdem zeigt dieser Ansatz, warum sie preislich ein wenig höher angesiedelt ist.




Wo die Performance der Heston 60 hinter meinen Erwartungen zurückblieb, war in der allgemeinen Bedienbarkeit.
Du verbindest und richtest die Soundbar über die Marshall App ein. Sie ist gut organisiert und ziemlich übersichtlich – und sie hat sogar ein Raum-Tuning-Feature wie Sonos' TruePlay, was echt gut ist.
Je länger ich die Soundbar aber benutzt habe, desto mehr hat diese App ein Schlaglicht auf ein paar kleine Nervigkeiten geworfen. Zum Beispiel das Umschalten zwischen den Eingängen: Ich fand, das hat immer eine Verzögerung von ein paar Sekunden mit sich gebracht. Klingt nach nichts, nervt aber mit der Zeit (und die Sonos Beam macht das nicht). Genauso wird der Ton deines Fernsehers für eine Sekunde komplett stumm geschaltet, wenn du einen der Sound-Modi aktivierst, wodurch dir Dialoge in einer Sendung entgehen können.
Überhaupt empfand ich die Art dieser Sound-Modi als ziemlich einschränkend, da immer nur einer aktiv sein kann. Das fühlt sich manchmal widersprüchlich an: Wenn ich den Film-Modus (Movie Mode) aktiviere, weil ich gerade einen Film schaue, ist es ärgerlich, dass ich Dialoge nur verstärken kann, indem ich komplett in den Sprach-Modus (Voice Mode) wechsle. Und noch nerviger ist, dass der Nacht-Modus (Night Mode) komplett separat ist.
Es ist super, dass Marshall dir für jeden Modus einen Drehregler gibt, um die Intensität zu ändern, anders als bei Sonos, aber ich würde sie gerne übereinander legen können, um genau das Setup zu haben, das ich will. Allerdings gibt es in der App eine Equalizer (EQ)-Anpassung, sodass du dir deine eigene, persönliche Lösung erstellen kannst.
Ein weiterer Punkt, der nicht direkt an der Heston 60 selbst liegt: Marshall hat sein TV-Audio-System noch nicht komplett ausgebaut. Anders als bei manch anderem Hersteller kann man aktuell nicht einfach die Heston 60 plus zwei passende Marshall-Surround-Speaker kaufen, um sie hinter der Couch zu platzieren – was die Attraktivität der Soundbar meiner Meinung nach etwas schmälert. Ich würde aber stark darauf wetten, dass Marshall bereits an entsprechenden Rear-Lautsprechern arbeitet.
Trotz dieser Liste kleinerer Kritikpunkte bleibt das Entscheidende bestehen: Die Heston 60 klingt einfach richtig stark – und gerade bei Musik wird das noch deutlicher als über den TV-Ton.
Marshall Heston 60 Test: Fazit
Marshalls kompakte Soundbar ist ein Gerät mit einem wirklich brillanten Klang, das nur einige leichte Softwareanpassungen benötigt, um so hervorragend zu sein, wie ich es mir vorstellen kann – und das ist eine sehr positive Bilanz für eine so neue Produktkategorie in ihrer ersten Iteration.
Das Design der Heston 60 ist genau so „Marshall“, wie es sich Fans der Marke wünschen würden, und sofort interessanter als der Großteil der Soundbar-Konkurrenz.
Die App ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, und obwohl die Heston 60 gut aussieht und klanglich beeindruckt, ist sie preislich durchaus selbstbewusst – eine Budget-Option ist sie definitiv nicht, außer man setzt sie ins Verhältnis zur Heston 120.
Als Erstlingswerk bleibt Marshalls Einstieg in die Soundbar-Welt dennoch beeindruckend und macht die Heston 60 zu einer spannenden Sonos-Alternative mit ganz eigenem Design-Charakter.
Gute Alternativen
Der Markt für kompakte Soundbars wurde in den vergangenen Jahren von einer einzigen großen Empfehlung dominiert: Der Sonos Beam Gen 2. Sie ist unglaublich einfach einzurichten und zu bedienen und klingt dazu hervorragend – für die meisten Nutzer*innen bleibt sie daher weiterhin die beste Wahl.
Wenn du etwas Geld sparen möchtest, ist die Sonos Ray eine überzeugende Alternative, die etwa nur die Hälfte kostet. Sie liefert einen wirklich kompetenten Sound, der die TV-Lautsprecher nahezu garantiert übertrifft. Funktionsseitig ist sie deutlich abgespeckter, aber dennoch eine solide Investition.

Max is T3's Staff Writer for the Tech section – with years of experience reporting on tech and entertainment. He's also a gaming expert, both with the games themselves and in testing accessories and consoles, having previously flexed that expertise at Pocket-lint as a features editor.