Wenn es um einen neuen PC geht, habe ich es mit dem Update nicht eilig

Aus Erfahrung klug geworden, lässt sich Jon Bentley beim Kauf eines neuen Computers lieber Zeit

Laptops im Lasen
(Bildnachweis: Getty Images)

Hin und wieder erscheint ein revolutionäres Produkt – und man spürt sofort: Das ist es. Man erkennt instinktiv, dass es der Konkurrenz voraus ist, lange Freude bereiten wird und hat keine Zweifel, dass sich die Investition lohnt.

Genau so ging es mir beim ersten iPad Pro samt Apple Pencil. Ich habe es über Jahre hinweg fast täglich genutzt. Auch in der Welt der Kameras hatte ich dieses Gefühl, etwa bei Canons EOS 5D Mark II mit ihrer bahnbrechenden HD-Video-Funktion oder bei Sonys A7, die spiegellose Technik endlich ernst nahm. Bei den neuen KI-PCs bleibt dieses Gefühl allerdings aus. Wer sich jetzt ein solches Gerät kauft, könnte es später bereuen.

Schon die Frage, was genau einen KI-PC ausmacht, ist derzeit noch nicht klar beantwortet. Grundsätzlich gilt: Der beste Laptop oder Desktop-KI-Rechner sollte neben CPU und GPU auch über eine NPU (Neural Processing Unit) verfügen. Diese ist speziell für parallele Rechenprozesse im Zusammenhang mit KI-Anwendungen ausgelegt.

Doch wer Anfang des Jahres einen sogenannten AI-PC gekauft hat, könnte bereits jetzt ein veraltetes Gerät besitzen. Intels Meteor-Lake-Chips („Core Ultra“) kamen etwa in frühen „AI-Laptops“ von Acer und Lenovo zum Einsatz. Doch im Mai erklärte Microsoft diese Modelle für ungeeignet für die neue Copilot+-Plattform. Der Grund: Ihre NPU schaffte nur 10 TOPS (Tera Operations per Second) – benötigt werden aber 40, um die neuen Funktionen zu unterstützen.

Copilot Plus

(Image credit: Microsoft)

Copilot+-PCs, angeführt von Modellen mit Qualcomm-ARM-Chips, kommen allmählich auf den Markt. Doch selbst dieser neue Standard sofort die Frage auf: Reicht das wirklich? Schwer zu sagen, denn bislang gibt es kaum Software, die die neuen NPUs sinnvoll nutzt. Microsoft hebt vor allem „Recall“ hervor: ein Tool, das alle Aktivitäten auf dem PC drei Monate lang speichert und durchsuchbar macht. Viele sehen darin jedoch ein echtes Sicherheitsrisiko. Und die meisten dürften es wohl direkt deaktivieren. Ein überzeugendes KI-Highlight sieht jedenfalls anders aus.

Meine aktuellen Rechner – sowohl Laptop als auch Desktop – sind inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Natürlich würde ich sie gerne durch moderne, KI-taugliche Geräte ersetzen. Doch genau hier liegt das Problem: Zukunftssicherheit ist eine unsichere Wette. Man investiert in Technik, die für kommende Entwicklungen gerüstet sein soll – und dann kommt alles ganz anders. Deshalb entscheide ich mich lieber für Geräte, die heute überzeugen, statt auf Versprechen für morgen zu vertrauen.

Ein gutes Beispiel dafür: Als 2018 die GeForce-RTX-20-Serie mit Raytracing-Unterstützung erschien, war Windows noch nicht bereit dafür. Und passende Spiele? Fehlanzeige. Die klügeren Käufer:innen warteten einfach ab und griffen später zur RTX-30-Serie, die nicht nur günstiger war, sondern auch viel besser mit Raytracing umgehen konnte.

Bei den KI-PCs scheint es ähnlich zu sein. Der frühe Einstieg dürfte sich kaum lohnen. Ich persönlich warte lieber, bis wirklich überzeugende KI-Anwendungen erscheinen und entscheide mich dann für ein System, das optimal damit umgehen kann. Vielleicht braucht es dafür ohnehin eine leistungsstärkere NPU – und die gibt’s dann wahrscheinlich zu einem besseren Preis.

Bis dahin werde ich versuchen, noch ein bisschen mehr aus meinen aktuellen Rechnern herauszuholen. Ein besserer, erschwinglicherer KI-PC mit echten Vorteilen dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen. Und auf den warte ich gerne.

Jon is the main gadget reviewer and presenter for The Gadget Show on Channel Five. He was previously the Producer and Executive Producer of BBC's Top Gear between 1987 and 1999 and had a corner named after him on the Top Gear test track. He launched Fifth Gear for Channel Five and produced the show until 2004. When not presenting Jon enjoys writing. In 2019 Atlantic Books published his first book, Autopia: The Future of Cars, and he contributes regularly to Amateur Photographer magazine.

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