Orbea Gain M20i Test: Carbon-E-Rennrad mit leichter Unterstützung und großer Reichweite
Ein effizient unterstütztes Rennrad, das Reichweite, Feinschliff und ein natürliches Fahrgefühl über reine Höchstgeschwindigkeit stellt
Das Orbea Gain M20i ist eine ausgezeichnete Wahl für alle, die etwas Unterstützung beim Fahren möchten. Der leistungsstarke Motor, kombiniert mit dem Akku hoher Kapazität und dem geschmeidigen 12-Gang-Ultegra-Di2-Schaltwerk, macht jede Fahrt zum Vergnügen.
-
+
Hervorragende Ausstattung
-
+
Motor und Akku hochgradig anpassbar
-
+
Beeindruckende Reichweite
-
+
Integrierte Beleuchtung nutzt internen Akku optimal
-
-
Das Fahrgefühl nicht übermäßig spannend
-
-
Das zusätzliche Gewicht ist unverkennbar zu spüren
Warum können Sie T3 vertrauen?
Kerstin Findeisen
Elektrische Unterstützung ist nicht mehr nur Mountainbikes und Lastenrädern vorbehalten. In den letzten Jahren haben sich road-orientierte E-Bikes stillschweigend eine eigene Nische geschaffen: Sie bieten eher subtile Hilfe als volle Power und verlängern Fahrten, anstatt den eigenen Einsatz vollständig zu ersetzen.
Das Orbea Gain M20i gehört eindeutig in diese Kategorie. Es soll wie ein herkömmliches Endurance-Rennrad aussehen, sich so anfühlen und fahren lassen, bietet dabei aber gerade genug Unterstützung, um Anstiege zu erleichtern und lange Tage im Sattel angenehmer zu gestalten.
Die spanische Marke Orbea geht die Elektrifizierung mit Zurückhaltung an, und das Gain M20i ist ein gutes Beispiel für diese Philosophie. Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass ein Motor oder Akku verbaut ist. Schlanke Rohre, leichter Carbonrahmen – ganz ohne die klobige Optik vieler E-Bikes.
Um zu testen, wie gut dieses Konzept in der Praxis funktioniert, habe ich meine normalen Rennräder in der Garage stehenlassen und bin mehrere Monate ausschließlich mit dem Gain M20i gefahren. Von flachen Strecken über hügelige Abschnitte bis zu anspruchsvollen Anstiegen war alles dabei, um herauszufinden, wo das elektrische Rennrad wirklich seine Stärken ausspielt.
Orbea Gain M20i im Test
Preis und Verfügbarkeit
Das Orbea Gain M20i kostet direkt bei Orbea 7.599 Euro, ist aber derzeit zu einem reduzierten Preis von 6.399,99 Euro erhältlich – das sind satte 15 % Rabatt. Interessanterweise kann man das Bike außerdem leasen, was auch eine super Möglichkeit ist, es zu testen.
Das Modell wird in zwei Standard-Farbkombinationen angeboten: Lila/Orange oder Silber/Blau. Über Orbeas MyO-Programm kann es zudem individuell konfiguriert werden, sodass Farben und Anbauteile nach Wunsch angepasst werden können.
Design und Verarbeitung
Das Herzstück jedes Bikes ist der Rahmen. Beim Gain M20i handelt es sich um ein durchgehendes Carbon-Monocoque, das das Gesamtgewicht auf beeindruckende 11,5 kg reduziert – damit gehört es zu den leichtesten seiner Klasse.
Im Seitenprofil würde man kaum vermuten, dass hier ernsthafte Unterstützung verbaut ist. Im Unterrohr sitzt ein 353‑Wh-Akku, der im niedrigsten Unterstützungsmodus eine Reichweite von bis zu 140 km bietet. Dazu kommt ein Mahle‑X20‑Motor in der Hinterradnabe mit rund 50 Nm Drehmoment.
Das einzige sichtbare Zeichen der elektrischen Unterstützung ist das kleine Bedienelement im Oberrohr. Ein kurzes Drücken schaltet das Bike ein, ein weiteres wechselt die Unterstützungsstufen. Eine LED-Leiste zeigt an, wie stark die Unterstützung gerade arbeitet.
Zudem sind die Lichter direkt in die Sattelklemmung und in die Out-Front-Halterung für den Radcomputer integriert, sodass die Beleuchtung nie vergessen wird. Besonders praktisch: Sie werden vom internen Akku gespeist und müssen nicht separat geladen werden.
Beim Laden benötigt der Akku etwa 4 Stunden, um von leer auf volle Kapazität zu kommen, und erreicht nach rund 2 Stunden etwa 80 %. Orbea gibt an, dass eine volle Ladung Unterstützung für etwa 4.000 m Aufstieg liefert.
Ein 12‑Gang Shimano Ultegra Di2-Schaltwerk übernimmt das Schalten sehr zuverlässig. Das Wechseln der Gänge läuft glatt und präzise, ohne jegliche Verzögerung oder Ungenauigkeit. Während meiner etwa drei Monate langen Testphase gab es keinen einzigen Fehlschaltvorgang.
Selbst Schaltvorgänge, die normalerweise selbst die besten Schaltgruppen herausfordern würden, meistert das Gain M20i mühelos. Der Wechsel vom großen auf das kleine Kettenblatt unter hoher Last, der sonst oft zu einer Kettenabsprung führen würde, funktioniert hier problemlos.
Das Finish-Set aus Sattelstütze, Sattel und Lenker stammt komplett aus Orbeas eigener Komponentenserie. Sowohl Sattelstütze als auch Lenker bestehen aus Carbon, wodurch sie erwartungsgemäß steif sind, dabei aber viele Straßenvibrationen zuverlässig dämpfen.
Leistung und Fahrgefühl
Ich bin relativ neu im E-Bike-Kosmos; meine erste Begegnung war erst letztes Jahr auf dem großartigen Scott Solace eRide Gravel-Bike, das ich vor allem für den enormen Spaß im Gelände gelobt habe.
Das Orbea Gain M20i ist als Rennrad mit 30 mm breiten Reifen ein anderes Kaliber. Ohne Unterstützung ist das Mehrgewicht gegenüber einem „normalen“ Bike spürbar.
Ich bin noch relativ neu im E-Bikes Gane; meine erste Fahr-Erfahrung hatte ich erst im vergangenen Jahr auf dem hervorragenden Scott Solace eRide Gravel-Bike, das ich besonders dafür gelobt habe, dass es abseits der Straße riesigen Fahrspaß bietet.
Das Orbea Gain M20i ist als Rennrad mit 30 mm breiten Reifen ein anderes Kaliber. Ohne Unterstützung ist das Mehrgewicht gegenüber einem „normalen“ Rennrad deutlich spürbar.
Die Beschleunigung fällt etwas träger aus, und das allgemeine Fahrgefühl ist ein bisschen weniger mitreißend als bei klassichen Rennrädern. Schaltet man jedoch den Motor ein, wird das Bike lebendig und es macht richtig Spaß, aus Kurven heraus zu beschleunigen – bis die von der EU vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 28 km/h erreicht ist.
An diesem Punkt wirkt das M20i wieder etwas schwerfällig. Auf flachen Straßen lässt sich weiterhin ein gutes Tempo halten, doch auf hügeligem Gelände kommt es deutlich stärker an seine Grenzen.
Bergab nimmt es gut Fahrt auf, doch auf der Gegensteigung wird das Gewicht deutlich spürbar und das Bike fühlt sich schwerer an, als es ist. Das ist weniger eine Kritik am M20i als vielmehr eine generelle Beobachtung zur 28-km/h-Begrenzung.
Mahle (der Akku- und Motorlieferant) bietet eine App, mit der sich das Ansprechverhalten des Motors nach Belieben feinjustieren lässt. Standardmäßig gibt es drei Unterstützungsstufen, in der App kannst du Stärke und Charakteristik anpassen.
Im niedrigsten Modus ist es eher ein sanfter Schub, der nur teilweise auffällt: Plötzlich wirkt das Fahren mühelos, und du musst kaum Druck aufs Pedal bringen, um ordentlich Tempo zu machen. Im höchsten Modus ist die Elektrounterstützung deutlich spürbar.
Beim Anfahren an Kreuzungen und beim Herausbeschleunigen aus Kurven spürt man einen deutlichen Kraftschub, der einen überraschen kann, wenn man nicht aufmerksam ist.
Bei längeren Anstiegen kommt der Elektromotor richtig zur Geltung und zeigt seine Stärke: Er unterstützt genau dann, wenn das Gefälle zunimmt, sodass man sich am Ende des Anstiegs deutlich frischer fühlt – oder immer noch in Sichtweite seiner deutlich leichteren Freunde bleibt. Ich denke, genau hier beginnt das M20i (und E-Rennräder im Allgemeinen) wirklich Sinn zu machen.
Die Elektrifizierung hält weniger leistungsstarke Fahrer*innen im Sattel und ermöglicht es, mit schnelleren Gruppen mitzuhalten, ohne Angst haben zu müssen, an den Anstiegen zurückzufallen – genau der Punkt, an dem viele sonst aufhören würden. In dieser Hinsicht ist es also eine wunderbare Technologie.
Für die, die einfach nur schneller sein wollen und glauben, ein Motor sei die Abkürzung, würde ich argumentieren, dass die aktuelle Generation hochwertiger Rennräder ein deutlich fesselnderes und befriedigenderes Fahrerlebnis bietet, besonders wenn man sie richtig fordert.
Unser Testurteil
Das Orbea M20i ist ein sehr gut ausgestattetes E-Rennrad und verfügt über das vielgelobte Shimano-Gruppenset der zweiten Stufe sowie ein geschmeidiges Motor- und Akkusystem von Mahle. Im Vollunterstützungsmodus liefert der Motor ordentlich Schub, was das Beschleunigen aus Kurven zu einem Vergnügen macht, und bei längeren Anstiegen ist deutlich weniger Kraftaufwand nötig.
Für viele wird es nicht das richtige Bike sein. Wer jedoch mit fitteren (und vielleicht jüngeren) Freund*innen mithalten will, trifft mit einem E-Bike eine gute Wahl – und das Orbea M20i gehört zu den besten seiner Art.
Weitere Optionen
Mich hat das Scott Solace eRide, das ich letztes Jahr getestet habe, schwer beeindruckt – und dem Vernehmen nach ist das Addict eRide genauso dynamisch. Es sieht aus wie ein Rennrad, hat denselben Motor- und Akkuverbund wie das Orbea, spart aber nochmal 0,5 kg Gewicht ein. Schau es dir hier bei Scott an.
Wer maximale Performance sucht, sollte sich das BMC Roadmachine AMP One anschauen. Mit einem Tretlagermotor und 360-Wh-Akku, 1-fach-Antrieb und einer ganzen Reihe integrierter Lichter bügelt es praktisch jede Steigung glatt. Hier ist ein Link zu dem Model bei BMC.

Matt has a passion for the outdoors whether on foot, two wheels or by paddle. After a brief foray into the bike racing scene, Matt armed himself with an OS map and a sense of adventure, and decided the endless miles of trails in the Scottish highlands were more his idea of a good day out.
Never one to sit still (or indoors), he can often be found riding and hiking in foul weather, testing the latest bit of kit or just out for a good time.
Having spent his formative years loitering around the local bike shop rather than sneaking into the pub, he’s spent far too long tinkering and fixing his ever evolving fleet of bikes so at least one of them is in a fit state to be ridden on an unsuitable adventure.
When Matt isn’t riding bikes or walking up hills, he’s a freelance photographer specialising in the hospitality and outdoor sectors and can be found shooting for clients across the country.