Fujifilm erfindet eine Zeitmaschine – ich habe die Instax Mini Evo Cinema getestet und bin in der Zeit zurückgereist
Mit Super-8-Vibes ist die neueste Instax-Kamera ein Gruß aus der Vergangenheit und modernes Wunder zugleich
Mara Mainka
Kein Zweifel: Retro-Gadgets erleben gerade ihren großen Auftritt. Dazu gehören Produkte, die moderne Technologien nutzen, aber dennoch Retro-Flair lieben.
Retro-Gaming-Handhelds sind ein gutes Beispiel – sie spielen Klassiker von damals, sogar mit CRT-Style-Effekten obendrauf, laufen aber auf aktuellen Betriebssystemen und Chips wie Android und Snapdragon-CPUs.
Und der Vinyl-Boom ist auch nicht zu vergessen: Moderne Schallplatten sind robuster als ihre betagten Vorgänger, bieten aber dasselbe haptische Gefühl und denselben Sound.
Jetzt ziehen Kameras nach. Fotografie ist nie wirklich aus der Mode gekommen – selbst mit einer analogen Kamera aus den 1970ern lassen sich heute noch großartige Ergebnisse erzielen. Unzählige Smartphone-Apps bieten zudem Foto- und Videofilter, die klassische Styles nachahmen.
Die neueste Instax von Fujifilm liefert aber nicht nur ein paar Filter. Sie sieht aus und fühlt sich an wie eine alte Videokamera. Nach einer Hands-on-Session in London zeigt sich: Diese zusätzliche physische Komponente bietet etwas, das weit über den Rahmen einer App hinausgeht.
Abgefahrenes Design
In vielerlei Hinsicht ist die Instax Mini Evo Cinema herrlich verrückt. Ihr Design erinnert bewusst an eine Super-8-Kamera, mit einer kleinen Linse, die aus einem vertikal zu haltenden Gehäuse herausragt.
Es gibt Wahlräder und Schalter, die man bei modernen Kameras nicht mehr findet, trotzdem ist es ein digitales Gerät mit einem Instax-Sofortbilddrucker im oberen Teil. Auf der Rückseite sitzt ein digitales Display, das mit einem im Lieferumfang enthaltenen Okular genutzt werden kann – das sorgt für ein analoges Erlebnis.
Diese Gegensätzlichkeit ist großartig.
Trotz aller Physikalität ist die Kamera natürlich fürs Social Sharing gedacht. Sie nimmt maximal 15 Sekunden Video am Stück auf, die sich in der Kamera und über die iOS- und Android-App zu Clips von bis zu 30 Sekunden schneiden lassen. Neben dem Posten online werden Nutzer*innen ermutigt, ein Bild aus ihren Kurzgeschichten mit QR-Code zu drucken.
Gibst du diese physische Kopie weiter, kann die Person das Video im dedizierten Cloud-Service von Fujifilm ansehen – so werden die Standbilder wieder zum Leben erweckt.
Das ähnelt der Mini Liplay+ – einer weiteren Hybrid-Kamera der Marke – ergibt in dieser cineastischen Bauform aber deutlich mehr Sinn.
Die Vergangenheit aufdrehen
Das mit Abstand größte und spaßigste Feature der Instax Mini Evo Cinema ist das Eras Dial an der Seite. Damit lässt sich im Handumdrehen zwischen verschiedenen Video-Stilen wechseln – angelehnt an 100 Jahre Filmgeschichte.
So können digitale Clips aufgenommen werden, die wie Film aus den frühen 1930ern aussehen, Material mit 60er-Jahre-Vibe oder saubere, moderne Aufnahmen im Stil der 2020er. Jeder Look hat seine eigene visuelle Sprache – mit Bildsprüngen, VHS-Style-Artefakten, Unschärfen und mehr. Pro Ära gibt es zudem mehrere Intensitäten und Filtertypen für noch mehr Feintuning.
Es gibt auch passende Overlays – etwa Zeitstempel für 90er-Jahre-Material. Außerdem lassen sich in jedem Stil nicht nur Videos, sondern auch Fotos aufnehmen. Anschließend kann ein ausgewähltes Frame (oder Foto) über den enthaltenen Instax-Drucker ausgegeben werden, der dieselben Kassetten nutzt wie andere Modelle der Reihe – wahlweise mit dem erwähnten QR-Code oder ohne.
Das Ganze ist erstaunlich einfach zu bedienen – ich musste kein einziges Mal ins Handbuch schauen. Vorn gibt es einen großen Knopf: drücken zum Starten, loslassen zum Stoppen. Das war’s im Grunde.
Aufnahmen habe ich bisher noch nicht in der Kamera oder am Smartphone bearbeitet. Ein Testgerät wird in Kürze erwartet, dann können wir nach mehr Zeit mit der Kamera näher ins Detail gehen.
Auch die Videoqualität von 800 x 600 werde ich dann genauer beurteilen. Aufnehmen lässt sich bis zu 1080 x 1440, das gibt es allerdings nur im 2020er-Setting. Angesichts der Effekte der meisten Filter dürfte das ohnehin genügen.
Erster Eindruck
Ganz ehrlich: Die Instax Mini Evo Cinema wird nicht jeden Geschmack treffen. Sie sieht aus wie eine Super-8-Kamera, zeichnet aber nur 15-Sekunden-Clips auf – ideal also für alle, die gern visuelle Botschaften und Ideen auf Social Media teilen.
Günstig ist sie auch nicht. Die Kamera kostet 379,99 € – das ist ein wohlüberlegter Kauf. Mich spricht sie allerdings direkt an.
Ich habe als Kind eine Super-8-Kamera benutzt und bin mit VHS, Super-VHS und 3CCD-Videokameras groß geworden. Die unterschiedlichen Looks kreativ reproduzieren zu können, liebe ich. Und die Bauform sorgt dafür, dass es sich nicht so anfühlt, als würde ich nur eine digitale Haut über Handy-Footage legen.
Erfrischend ist auch, in einem Stil aufzunehmen, der sich nachträglich nicht mehr verändern lässt. Das lässt einen viel stärker über Bildkomposition und die passende Ära nachdenken.
Ich kann es kaum erwarten, sie in möglichst vielen realen Szenarien auszuprobieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst so retro bin – im ersten Moment trifft sie jedenfalls genau meinen Geschmack.

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