Ich habe einen 5-Sterne-Lautsprecher getestet, der besser aussieht als Bowers und besser klingt als Sonos

Darum ist Devialets Phantom Ultimate der wohl beste integrierte Lautsprecher

Devialet Phantom Ultimate 108 dB bei einem Preview-Event in Paris
(Bildnachweis: Future / Mike Lowe)

Vor rund zehn Jahren bin ich zum ersten Mal auf Devialets Phantom-Lautsprecher gestoßen – eine mutige, fast verspielte Vision dessen, was ein integrierter Lautsprecher sein kann. Klar abgehoben von den sonst eher unscheinbaren Regallautsprechern. Und das Beste: Er sah nicht nur großartig aus, er klang sogar noch besser.

Als Devialet mich nach Paris in den Unternehmenssitz zu einer streng geheimen Vorschau einlud, fragte ich mich zunächst, was die große Enthüllung sein könnte. Ein neuer tragbarer Lautsprecher wie der Devialet Mania? Ein Soundbar-Upgrade, das die Devialet Dione übertrifft? Oder vielleicht etwas ganz anderes?

Und hier ist er: der Devialet Phantom Ultimate. Von außen fast zum Verwechseln ähnlich mit dem klassischen Phantom, im Inneren jedoch deutlich überarbeitet, um das Hörerlebnis noch weiter zu verbessern. Er ist in zwei Größen erhältlich: das kleinere 98dB-Modell und die größere 108dB-Version.

Einzigartiges Design mit klarer Funktion

In meinem Hands-on habe ich mich vor allem auf das 108-dB-Modell konzentriert, das du auf den Bildern unten auf dem optionalen „Baumständer“ siehst. Optisch ähnelt es stark der kleineren 98-dB-Version, doch die größere Variante wirkt für mich eleganter, weil der Kühler auf der Rückseite deutlich unauffälliger ist.

Und was für ein visuelles Statement das Gerät abgibt. Kein Wunder, dass es im Französischen als objet d’art bezeichnet wird. Für manche mag das Design vielleicht etwas zu futuristisch wirken, aber für mich zählt die Ästhetik zu den größten Stärken des Phantom Ultimate. Dazu kommt die mattierte Oberfläche, die angenehmer wirkt als der Glanz des Originals und störende Reflexionen vermeidet.

Spannend ist, dass beim Phantom das Design ganz klar der Funktion folgt. Devialet hat jahrelang daran gearbeitet herauszufinden, wie sich ein kompakter Lautsprecher bauen lässt, der trotzdem bei über 100 dB massiven Sound liefert. Mit nur sechs Litern Innenvolumen bleibt kaum Spielraum – vor allem für kräftigen Bass.

Und genau das schafft der Phantom. Wie? Die auffälligen Seitenteile sind die Tieftöner. Sie sind so versiegelt, dass sie den enormen Druck aushalten, der im Inneren entsteht – und sie „tanzen“ sichtbar mit, wenn sie sich oft um mehrere Zentimeter nach außen bewegen. So entsteht das kugelförmige Herzstück, das das Design des Phantom prägt.

Doch beim Phantom gibt es keine separaten Bauteile. Devialets Wurzeln liegen in der High-End-Verstärkung – hier ist die Technik auf einen Bruchteil geschrumpft und direkt ins Gehäuse integriert. Für den Ultimate hat Devialet den eingebauten Verstärker überarbeitet: Class A und Class D teilen sich die Arbeit (Devialets Hybrid-Verstärkung „ADH“). Das reduziert die Hitzeentwicklung und steigert die Effizienz.

Als All-in-One-Lautsprecher finde ich, dass Devialets Lösung sogar besser aussieht als ein Bowers & Wilkins Zeppelin Pro – und der ist selbst ein beliebter Wi-Fi-Speaker. Ja, der Preis liegt deutlich höher, aber dafür sind sowohl Optik als auch Klang wirklich beeindruckend.

Auch die Details stechen hervor: In meiner Galerie oben wird sichtbar, wie die kreisförmigen Muster fast wie kleine Kunstwerke wirken. Das goldene Finish fällt ins Auge, bleibt aber elegant. Besonders edel ist die Opéra-de-Paris-Version, bei der echtes Blattgold von Hand aufgetragen wird. Auffällig ist außerdem die charakteristische Öffnung des Hochtöners. Sie ist von Chladni-Platten inspiriert, die Schall sichtbar machen, indem Sand zu Mustern geformt wird, und gibt dem Phantom seinen unverwechselbaren Look.

Sensationeller Klang – weit größer als sein Maßstab

Während das ursprüngliche Phantom in der Mitte seiner Tieftönerkuppeln noch eine kreisförmige Aussparung hatte, sind diese jetzt als durchgehende Kuppeln gestaltet. Das wirkt deutlich harmonischer und vollständiger.

Diese Änderung mag klein erscheinen, war laut Devialets Chief Product and Technology Officer Jean-Loup Afresne jedoch „eine enorme Herausforderung aus industrieller und technischer Sicht“.

Der neue Tieftöner wurde ebenfalls überarbeitet. Das klarere Design sorgt für weniger Verzerrungen. Bei einer Hörsession in den berühmten Studios Saint Germain in Paris habe ich DeLaurentis’ The Wooden House gehört und erlebt, wie der Phantom Ultimate gerade bei tiefen Frequenzen richtig aufblüht. Dabei zuzusehen, wie die Kuppeln seitlich mit den Bässen pulsieren, war dabei fürs Auge fast so faszinierend wie für die Ohren.

Der Phantom Ultimate 108 dB ist so gebaut, dass er bis auf 14 Hz heruntergeht – also in einen Bereich, der sogar unterhalb der menschlichen Hörgrenze liegt. In der Praxis schneiden die meisten Ingenieur:innen ohnehin alles unter 20 Hz weg, um saubere Mixdowns zu erzielen. Damit spielt das Devialet-Modell eigentlich unterhalb dessen, was die meisten Tracks hergeben, zeigt aber eindrucksvoll, wie groß seine Reichweite ist.

Auch der Hochtonbereich hat ein Upgrade bekommen. Der neue Hochtönerquill soll laut Afresne „mehr Öffnungen haben, sodass er höhere Frequenzen erreichen kann“. Damit schafft er es bis 35 kHz – deutlich über den üblichen 20 kHz, die die meisten besten Wi-Fi-Lautsprecher bieten. Und für Audiophile interessant: Der Phantom Ultimate unterstützt auch 24-Bit/192-kHz-Wiedergabe.

Beim Wechsel zu Anette Askviks Libertie zeigte der Phantom Ultimate eindrucksvoll, was diese technischen Daten in der Praxis bedeuten. Dass ein so technisches Gerät ein so emotionales Hörerlebnis erzeugt, spricht für sich. Besonders das brillante Top-End der Percussion klingt fast sprudelnd – mühelos und zugleich präzise. Ein seltenes Erlebnis, das einer ohnehin schon schönen Aufnahme zusätzliche Nuancen verleiht.

Sollte ich einen Devialet Phantom Ultimate kaufen?

Devialet setzt nicht auf Spielereien wie räumliches Audio, und auch eine Überverarbeitung bleibt aus. Stattdessen gibt es in der neuen App einen Sechs-Band-Equalizer mit ±5 dB, um den Klang an die eigenen Vorlieben anzupassen. Ein einzelner Phantom Ultimate bleibt aber immer eine einzelne Quelle.

Für echtes Stereo braucht man also zwei Phantom-Ultimate-Modelle. Wichtig: Der neue Chip, ein NPX iMX8 Nano mit vier 1,5-GHz-Kernen, ist auf Zukunftssicherheit ausgelegt und soll kommende High-End-Codecs und -Formate unterstützen. Deshalb lassen sich die neuen Modelle nicht mit älteren Phantoms koppeln.

Der Phantom Ultimate 108 dB kostet rund 3200 €. Für ein Paar zahlt man also das Doppelte – es sei denn, man nutzt ein Bundle-Angebot beim Kauf von zwei Geräten. Die passenden Ständer gibt es außerdem nur gegen Aufpreis.

Klar, das ist viel Geld. Aber der Phantom Ultimate ist ein vergleichsweise kompaktes System mit einem Klangbild, das in dieser Größe einzigartig ist. Ein solches Setup kann viele Jahre Freude bereiten – ganz ohne zusätzliche Einzelkomponenten.

Erwähnenswert ist auch der kleinere Ultimate 98 dB (oben im Bild). Mit 1500 € ist er deutlich günstiger. Klanglich überzeugt er ebenfalls, auch wenn der Frequenzbereich etwas eingeschränkter ist. Optisch bekommt man fast das gleiche Design, nur kompakter.

Als Desktop-Lautsprecher reicht der Ultimate 98 dB den meisten völlig aus, um einen Raum mit Sound zu füllen. Wer dagegen das volle audiophile Erlebnis will, greift besser zu einem Paar Ultimate 108 dB. Und für alle, die es besonders extravagant mögen, gibt es noch die Opéra-de-Paris-Version mit echtem Blattgold-Finish, allerdings zu einem deutlich höheren Preis.

Mike Lowe
Tech Editor

Mike is T3's Tech Editor. He's been writing about consumer technology for 15 years and his beat covers phones – of which he's seen hundreds of handsets over the years – laptops, gaming, TV & audio, and more. There's little consumer tech he's not had a hand at trying, and with extensive commissioning and editing experience, he knows the industry inside out. As the former Reviews Editor at Pocket-lint for 10 years where he furthered his knowledge and expertise, whilst writing about literally thousands of products, he's also provided work for publications such as Wired, The Guardian, Metro, and more.