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FiiO FT1 im Test

Hat sich FiiO mit diesem kabelgebundenen Kopfhörer einen seltenen Ausrutscher geleistet?

FiiO FT1 im Test
(Bildnachweis: Future)
T3 Fazit

Am FiiO FT1 gibt es vieles, das gefällt. Seine klangliche Abstimmung ist jedoch zu dogmatisch, um wirklich ausgewogen zu wirken.

Pro
  • +

    Energetischer, sehr direkter Klang

  • +

    Hochwertige Materialien, sauber verarbeitet

  • +

    Gute Ausstattung für den Preis

Kontra
  • -

    Klanglich eher zweidimensional und stellenweise zu forsch

  • -

    Ohrmuscheln könnten für manche zu groß ausfallen

  • -

    Nicht flach zusammenklappbar

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Wenn es eine Sache gibt, auf die wir uns bei FiiO verlassen können, dann auf ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis. Auf dem Papier macht der FT1 da keine Ausnahme: Optik und Specs erinnern eher an ein deutlich teureres Modell. Umso bemerkenswerter, dass es sich dabei um FiiOs ersten geschlossenen Over-Ear-Kopfhörer handelt.

„Auf dem Papier“ ist das eine – „am Ohr“ sieht es hier allerdings anders aus. Während uns viele von FiiOs jüngsten Kopfhörern zuletzt ordentlich beeindruckt haben – vor allem unter den besten kabelgebundenen Kopfhörern –, ist der FT1 weniger ein Volltreffer. Für FiiO ist er eher ein seltener Fehlversuch. Das sind die Gründe dafür:

Preis & Verfügbarkeit

Der Over-Ear-Kopfhörer FiiO FT1 ist ab sofort erhältlich und liegt preislich bei rund 170 Euro.

Nur weil der FT1 erschwinglich ist, steht er längst nicht ohne Konkurrenz da. Gerade Hersteller wie Austrian Audio, Beyerdynamic oder HiFiMan bieten Alternativen in einer ähnlichen Preisklasse und mit vergleichbarer Ausstattung.

Features & Neuheiten

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Passive Kopfhörer – insbesondere in dieser Preisklasse – kommen in der Regel ohne große Feature-Extras aus. Das gilt für den FT1 ebenso wie für seine direkten Rivalen.

Die Features, die er mitbringt, können sich trotzdem sehen lassen. So arbeitet der FT1 mit zwei 60-mm-Vollbereichstreibern, die laut FiiO einen Frequenzgang von 10 Hz bis 40 kHz bieten.

Er besteht größtenteils aus Holzfaser. Jeder Treiber nutzt eine 25-mm-Schwingspule und eine W-förmige Aufhängung und sitzt hinter einer konischen Schallwand, die stehende Wellen reduzieren und den Treiber parallel zum Ohr ausrichten soll.

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Mit einer Impedanz von 32 Ohm und einer Empfindlichkeit von 98 dB ist der FT1 zudem alles andere als schwer anzutreiben.

Jede FT1-Hörmuschel wird separat verkabelt, FiiO legt dafür gleich zwei Kabel bei. Beide sind 1,5 Meter lang, bestehen aus versilbertem, sauerstofffreiem Kupfer und enden an den Hörmuscheln jeweils in zwei 3,5-mm-Steckern.

Eines der Kabel endet auf der Quellseite unsymmetrisch mit 3,5 mm, das andere bietet eine symmetrische 4,4-mm-Option. Damit lässt sich der FT1 mit so gut wie jeder Musikquelle verbinden. Das ist umso praktischer, wenn man bedenkt, dass der Kopfhörer sowohl von der Japan Audio Society als auch von der Consumer Electronics Association als Hi-Res-Audio-fähig zertifiziert ist.

Performance

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Bei der Performance überzeugt der FiiO FT1 nur teilweise. Neben klaren Stärken zeigen sich auch spürbare Schwächen.

Positiv fällt auf, dass der FT1 energiegeladen und antrittsstark spielt. Sein fordernder, treibender Charakter funktioniert bei vielen Musikrichtungen gut. Wer bei Kopfhörern Wert auf Lebendigkeit legt, ist hier richtig.

Neben der kraftvollen Abstimmung holt er auch viele Details aus den Aufnahmen heraus und setzt sie sinnvoll in Szene. Größere harmonische Veränderungen meistert er mühelos, reagiert aber ebenso aufmerksam auf flüchtige Feinheiten, die schwächere Designs oft übergehen. Sind solche Details in der Aufnahme vorhanden, arbeitet der FT1 sie in der Regel sauber heraus.

Auch Tonalität und Frequenzgang sind sehr stimmig abgestimmt. Der Gesamtklang bleibt angenehm neutral, sodass die klangliche Intention der Originalaufnahme im Vordergrund steht. Vom Hoch- bis in den Tieftonbereich verläuft der Frequenzgang ausgewogen und glatt, ohne nennenswerte Wellen oder Ausreißer.

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Tiefton-Informationen reichen tief hinab und bringen ordentlich Gewicht mit. Dank seiner Detailfreude wirkt der FT1 dabei nie stumpf oder undifferenziert. Stattdessen bekommt der Bass Struktur und Nuancen sowie ausreichend Kontrolle für sauberes Timing und ein stimmiges Rhythmusgefühl.

Der Mittelton ist direkt und präsent, während der Hochton Substanz und Brillanz gut ausbalanciert. Die Attacke bleibt dabei kontrolliert und gerät nicht ins Wilde.

Allerdings fehlt es dem FT1 stellenweise an Zurückhaltung. Auch Musikstücke, die keine zusätzliche Energie oder Attacke verlangen, gibt er entsprechend forsch wieder.

In seinen unkooperativsten Momenten klingt er fast gehetzt. Gemütliche Tempi werden hörbar vorangetrieben, und Musik, die im Gegensatz zu James Brown nicht „auf den guten Fuß“ will, behandelt er spürbar ungeduldig.

Zusammen mit der eher zweidimensionalen Bühnenabbildung und der insgesamt recht geschlossenen, schmalen Darstellung entsteht so ein Klangbild, das fast schon unerbittlich wirkt.

Ein echtes Gefühl für Bühnentiefe kommt nicht auf. Alles spielt sich sehr weit vorne ab, einzelnen Elementen bleibt kaum Raum zur Entfaltung. Insgesamt wirkt die Darbietung dadurch forciert und kann unter ungünstigen Umständen ermüden.

Design & Bedienung

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Das auffälligste Designelement des FiiO FT1 ist der großzügige Einsatz von Schwarznuss-Holz an den Außenseiten der Hörmuscheln. Holz kommt im Kopfhörerbau seit Langem zum Einsatz und sorgt hier nicht nur für einen hochwertigeren Look, sondern soll sich auch positiv auf den Klang auswirken.

Ansonsten entspricht die Konstruktion dem Üblichen bei Over-Ear-Kopfhörern. Die Hörmuscheln sind über schmale Metallstreben mit dem mit Kunstleder und Stoff bezogenen Kopfbügel verbunden. Es gibt etwas Beweglichkeit in mehrere Richtungen, allerdings nicht genug, um den FT1 flach zusammenzufalten. Entsprechend fällt auch das Reiseetui größer aus, als man es sich wünschen würde.

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

Die Größenverstellung ist außen am Kopfbügel sichtbar und bietet zwölf Raststufen. So lässt sich trotz der recht großen Hörmuscheln problemlos ein bequemer Sitz einstellen. Auch die Anpresskraft ist gut gewählt, und mit 340 Gramm wirkt der FT1 auf dem Kopf angenehm leicht.

Auch die Ohrpolster fallen großzügig aus. Sie sind ebenfalls mit einer Kombination aus Kunstleder und atmungsaktivem Stoff bezogen und schließen das Ohr vollständig ab. Entsprechend gibt FiiO eine passive Geräuschisolierung von bis zu –26 dB an.

Zwischen der Innenseite der hölzernen Hörmuschel und dem Treiber sitzen zudem eine spiralförmige „Resonanzableitungs“-Kammer, ein akustisches Dämpfungsröhrchen sowie schallabsorbierende Baumwolle. All das trägt zu diesem Wert bei. Unterm Strich schirmt der FT1 Außengeräusche effektiv ab und gibt nach außen kaum Schall ab.

FiiO FT1 im Test: Unser Testurteil

FiiO FT1 im Test

(Image credit: Future)

In puncto Materialqualität, Verarbeitung und Finish gibt es beim FiiO FT1 nichts zu beanstanden. Auch die Spezifikationen sind durchweg konkurrenzfähig.

Klanglich hält er jedoch zu stur an seiner Attitüde aus Attacke, Direktheit und Durchsetzungsvermögen fest, um am Ende eine wirklich zwingende Empfehlung zu sein.

Weitere Optionen

Die Austrian Audio Hi-X15 bieten beim gefühlten Gegenwert nicht ganz so viel wie der FiiO FT1. In puncto klanglicher Balance, Ruhe und Realismus spielen sie allerdings in einer etwas anderen Liga.

Simon Lucas is a freelance technology journalist and consultant, with particular emphasis on the audio/video aspects of home entertainment. Before embracing the carefree life of the freelancer, he was editor of What Hi-Fi? magazine and website – since then, he's written for titles such as Wired, Metro, the Guardian and Stuff, among many others. Should he find himself with a spare moment, Simon likes nothing more than publishing and then quickly deleting tweets about the state of the nation (in general), the state of Aston Villa (in particular) and the state of his partner's cat.

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