Netflix könnte bald einen riesigen Streaming-Boost bekommen – dank eines wichtigen Tech-Durchbruchs
Der Teufel steckt hier buchstäblich im Detail
Kerstin Findeisen
Kurze Zusammenfassung
AOMedia hat den AV2-Codec angekündigt, der einen großen Fortschritt gegenüber AV1 verspricht und die breite Einführung des neuen Formats bestätigt.
Der AV1-Codec wird von Diensten wie Netflix und YouTube fürs Videostreaming genutzt – und AV2 könnte zu besserer Videoqualität und/oder geringerem Datenverbrauch führen.
Du denkst, dein Netflix Stream läuft in bester Qualität? Ganz ehrlich – dem ist nicht so. Schuld daran sind vor allem die Daten.
Wie gut ein Bild aussieht, hängt davon ab, wie viele Daten übertragen werden müssen und wie stark das Material komprimiert wird. Aber es gibt einen Durchbruch, der das alles verändern könnte.
Beim Streaming muss der Inhalt an der Quelle komprimiert und auf dem empfangenden Gerät wieder dekomprimiert werden. So werden weniger Daten übertragen, was eine gute Nutzererfahrung ermöglicht – allerdings auf Kosten von Verlusten im Originalmaterial. Je besser der Codec die Kompression übernimmt, desto weniger spürbar sind diese Verluste für dich.
Die Alliance for Open Media (AOMedia) hat jetzt ihren neuen Codec AV2 vorgestellt. Er ersetzt AV1, der dir vielleicht schon bekannt ist, weil ihn Streaming-Dienste wie YouTube, Netflix, Prime Video oder Social-Video-Services wie Instagram Reels nutzen.
Während AV1 dafür gelobt wurde, 30 % effizienter als ältere Formate wie VP9 und HEVC zu sein, sagt AOMedia, dass AV2 eine deutlich bessere Kompressionsleistung als AV1 bietet – und das ist Grund zur Vorfreude.
„AV2 bietet erweiterte Unterstützung für AR/VR-Anwendungen, Split-Screen-Streaming mehrerer Programme, verbesserte Handhabung von Bildschirm-Inhalten und kann über einen größeren Qualitätsbereich arbeiten“, heißt es in der Ankündigung von AOMedia.
Welche Unterschiede könnte dies für Netflix machen?
Da gibt es einiges zu besprechen – also lasst uns kurz richtig gespannt sein auf den neuen Codec.
AOMedia hat noch nicht viele Details verraten, aber der erste Punkt, auf den man achten sollte, ist der „größere Qualitätsbereich“. Wenn man die Originalquelle effizienter komprimieren und dekomprimieren kann, bleiben mehr Details erhalten – und du bekommst ein besseres Bild, sobald der Stream auf deinem TV ankommt.
Dabei geht es nicht um die Auflösung an sich, sondern darum, höhere Datenraten zu ermöglichen. Bei gleicher Auflösung enthält das Bild einfach mehr Informationen – bessere Schatten, weniger Banding oder mehr HDR-Details – all das, was Ultra-HD-Blu-rays liefern, Streaming-Dienste bislang aber schwer hinkriegen.
Genauso könnte AV2 die Anforderungen für 8K-Streaming senken und damit einen Schub für das nächste Kapitel im Format-Krieg geben.
Hohe Effizienz bedeutet nicht nur mehr Details, sondern könnte auch flüssigere Streams bei schwächeren Verbindungen bringen. Wenn du die gleiche Videoqualität mit weniger Daten liefern kannst, profitiert man von weniger Puffern oder schnelleren Hochskalierungen zu höherer Auflösung.
Streaming-Dienste nutzen adaptive Bitrate-Übertragung: Das Programm startet schnell in niedriger Qualität und steigt dann, wenn genug Bandbreite vorhanden ist. Das bedeutet manchmal, dass du zunächst schlechtere Qualität siehst, als erwartet. AV2 könnte dafür sorgen, dass die Qualität schneller ansteigt.
Und es gibt noch mehr spannende Möglichkeiten: Die Erwähnung von AR/VR deutet darauf hin, dass AV2 auch in Headsets eingesetzt werden könnte – zum Beispiel in Apple Vision Pro oder Samsungs geplantem Project Moohan, da beide Unternehmen im Steuerungsausschuss von AOMedia sitzen.
Wo AV2 genau landen wird und ob spezieller Hardware-Support nötig ist, bleibt abzuwarten. AOMedia sagt jedoch, dass 88 % seiner Mitglieder planen, AV2 innerhalb der nächsten zwei Jahre einzusetzen.
Der Release von AV2 ist für Ende 2025 geplant, und Netflix könnte den Codec bereits nächstes Jahr nutzen.
Chris has been writing about consumer tech for over 15 years. Formerly the Editor-in-Chief of Pocket-lint, he's covered just about every product launched, witnessed the birth of Android, the evolution of 5G, and the drive towards electric cars. You name it and Chris has written about it, driven it or reviewed it. Now working as a freelance technology expert, Chris' experience sees him covering all aspects of smartphones, smart homes and anything else connected. Chris has been published in titles as diverse as Computer Active and Autocar, and regularly appears on BBC News, BBC Radio, Sky, Monocle and Times Radio. He was once even on The Apprentice... but we don't talk about that.
