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Ich habe Hunderte Fotos mit Googles Pixel 8a und Pixel 8 Pro gemacht – lohnt sich das Flagship wirklich?

Google setzt schon lange auf computergestützte Fotografie, aber kann das günstige Pixel wirklich mit dem Flaggschiff mithalten?

Pixel 8a und Pixel 8 Pro
(Bildnachweis: Future / Chris Hall)

Google zählt zu den treibenden Kräften hinter der computergestützten Fotografie im Smartphone-Bereich. Der Night Sight-Modus des Pixel 3 sorgte für viel Aufsehen und brachte Google einen festen Platz in der Smartphone-Fotografie ein – ein Ruf, der bis heute anhält und Pixel-Geräte zu einigen der besten Smartphones macht, die du kaufen kannst.

So kommen wir zu Googles großem Dilemma: Mit dem Pixel 8 Pro als Flaggschiff und dem Pixel 8a als deutlich erschwinglicherem Modell stellt sich die Frage, ob der Unterschied in der Kameraleistung die Mehrkosten wirklich wert ist. Um das herauszufinden, habe ich mit beiden Handys Hunderte Fotos gemacht.

Pixel 8a vs. 8 Pro: Kamerahardware im Vergleich

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Pixel 8a

Pixel 8 Pro

Hauptkamera

64 MP Quad PD, f/1,89, 1/1,73 Zoll, 0,8 µm, 80° FOV, OIS

50 MP Octa PD, f/1,68, 1/1,31 Zoll, 1,2 µm, 82° FOV, OIS

Ultraweitwinkel

13 MP, f/2,2, 1,12 µm, 120° FOV

48 MP Quad PD, f/1,95, 0,8 µm, 125,5° FOV

Teleobjektiv

-

48 MP Dual PD, f/2,2, 1,22 µm, 95° FOV, 5x optisch

Frontkamera

13 MP, f/2,2, 1,12 µm, 96,5° FOV

10,5 MP Dual PD, f/2,2, 1,22 µm, 95° FOV

Bevor wir zu den eigentlichen Fotos kommen, werfen wir einen kurzen Blick auf die technischen Daten.

Google gibt nicht für alle Kameras die Sensorgrößen an, aber als Ausgangspunkt lässt sich sagen, dass das Pixel 8 Pro einen physisch größeren Hauptsensor hat. Zwar ist die Auflösung niedriger, dafür sind die einzelnen Pixel größer.

Das bedeutet, dass der Sensor mehr Licht einfangen kann. Mehr Licht sorgt für ein saubereres Signal und damit insgesamt für klarere Bilder. Bildrauschen – dieses rot-grün-blaue Gesprenkel, das man manchmal in Bildern sieht – lässt sich so besser reduzieren.

Außerdem hat das Pixel 8 Pro ein lichtstärkeres Objektiv mit größerer Blendenöffnung. Das sorgt ebenfalls für mehr Lichteinfall. Gleichzeitig führt das aber auch zu einer geringeren Tiefenschärfe, also zu stärker verschwommenen Hintergründen in bestimmten Aufnahmesituationen.

Pixel 8a vs 8 Pro: Unterschiede in der Kamerasoftware

Kameraeinstellungen des Pixel 8 Pro

(Image credit: Future / Chris Hall)

Abgesehen von einigen der oben genannten Hardware-Unterschiede gibt es auch ein paar Unterschiede bei den Funktionen.

Obwohl die Apps ähnlich aussehen, hat das Pixel 8a nicht die Pro-Steuerungen, die das Pixel 8 Pro bietet. Das ist zwar nicht vergleichbar mit den manuellen Einstellungen eines Sony Xperia, bietet aber Zugriff auf hochauflösende Fotos sowie die Möglichkeit, die automatische Objektivwahl beim Zoomen zu deaktivieren. So kannst du selbst entscheiden, mit welchem Objektiv du fotografierst. In der Praxis ist das aber eher eine Nebensache.

Außerdem gibt es beim Pixel 8a kein Action Pan für Fotos und keine Unschärfe-Funktion für Videos. Video Boost und Night Sight Video fehlen ebenfalls. Der Makrofokus, den das Pixel 8 Pro über das hochauflösende Ultraweitwinkelobjektiv bietet, ist beim 8a nicht dabei.

Bevor du überhaupt loslegst, ist klar: Das Pixel 8 Pro bringt einige Funktionen mit, die das Pixel 8a nicht hat. Man könnte aber sagen, dass keine davon – abgesehen von der Telekamera-Hardware – wirklich essenziell ist. Doch wie sieht es aus, sobald man beginnt, Fotos zu machen?

Pixel 8a vs. 8 Pro: Vergleich in der Praxis

Pixel 8a und Pixel 8 Pro

(Image credit: Future / Chris Hall)

Ich werde mich auf verschiedene Bereiche konzentrieren. Seit dem Launch habe ich Tausende Fotos mit dem Pixel 8 Pro gemacht. Um das Gerät direkt mit dem neuen Pixel 8a zu vergleichen, habe ich außerdem Hunderte Fotos mit beiden Geräten parallel aufgenommen.

Dynamikbereich

Der Dynamikumfang beschreibt die Bandbreite zwischen den dunkelsten und hellsten Bildbereichen – also die Fähigkeit, Details in den Schatten sichtbar zu machen, ohne die hellen Stellen zu überbelichten, und umgekehrt. Genau darum geht es bei HDR (High Dynamic Range). Er ist wichtig, weil er für ein ausgewogenes Bild sorgt – eines, das eher dem entspricht, was das menschliche Auge wahrnimmt, oder sogar noch mehr, wenn man nachbearbeitet.

Bei guter Beleuchtung unterscheiden sich die Bilder vom Pixel 8a und Pixel 8 Pro kaum. Der Dynamikumfang des Pixel 8 Pro ist aber etwas besser: Der größere Sensor und die größere Blendenöffnung sorgen dafür, dass das Pixel 8 Pro konstant mit niedrigerer ISO fotografiert. Eine niedrigere ISO bedeutet weniger Bildrauschen, und die KI muss weniger korrigieren. So bleiben mehr Details erhalten.

In den Beispielbildern oben sind mehr Details in den Schatten unter der Brücke, im Laub rechts von der Bank und im Hintergrund beim Buddleja globosa (dem Orangenkugelbaum) zu sehen. Das bedeutet, dass die Fotos des Pixel 8 Pro insgesamt meist heller sind, ohne dabei unnatürlich zu wirken.

Je schlechter die Lichtverhältnisse werden, desto größer werden die Unterschiede. Bei alltäglichen Aufnahmen an einem schönen, sonnigen Tag sind die Bilder vom Pixel 8a und Pixel 8 Pro jedoch kaum voneinander zu unterscheiden.

Leistung bei schwachem Licht

Bei schwachem Licht zeigt sich ein deutlich größerer Unterschied. Googles Pixel-Smartphones sind dafür bekannt, auch aus dunklen Szenen noch beeindruckende Bilder zu machen. Diese Aufnahmen wirken oft heller als in Wirklichkeit, sind dafür aber gut verwendbar.

Die Unterschiede zwischen dem Pixel 8a und dem Pixel 8 Pro fallen hier deutlich stärker ins Gewicht. Das liegt an der Kombination aus größerem Sensor, größeren Pixeln und einer weiter geöffneten Blende. So gelangt bei gleicher Belichtungszeit mehr Licht auf den Sensor, und die ISO-Empfindlichkeit kann niedriger bleiben.

Genau das sieht man auch in der Praxis: Das Pixel 8 Pro liefert Bilder mit mehr Details und größerer Schärfe, selbst wenn der Gesamteindruck der Fotos bei beiden ähnlich wirkt.

Das gilt allerdings nur für Nachtaufnahmen. Innenaufnahmen sind praktisch identisch. Ein Blick auf die Aufnahme des Konferenzraums oben – gemacht bei schwacher Beleuchtung ohne natürliches Licht – zeigt: Die Unterschiede sind minimal. Beide Bilder sehen großartig aus.

Schauen wir uns nun die folgenden Fotos der Boote an. Dieses wurde nachts aufgenommen und wirkt heller als die tatsächliche Szene – ein typisches Beispiel für den Night Sight-Modus der Pixel-Reihe. Das Detailniveau bei beiden Fotos ist angesichts der schwierigen Bedingungen beeindruckend, aber das Pixel 8 Pro ist schärfer und zeigt mehr Details in den Schatten.

Sieh dir die Langzeitbelichtung mit den Wolken an, ebenfalls in der obigen Galerie. Diese Aufnahme war eine echte Herausforderung. Ich habe sie mit der Ultraweitwinkelkamera gemacht, um mehr Weite einzufangen, und eine Langzeitbelichtung genutzt, damit die Lichtspuren der Autos sichtbar werden – und das alles bei Dunkelheit. Für viele Smartphones wäre so eine Szene kaum zu bewältigen, doch beide Pixel-Modelle liefern beeindruckende Ergebnisse, und in der Praxis sind die Unterschiede gering.

Gehen wir einen Schritt weiter: Die Szene über dem Fluss ist nochmal dunkler, das Pixel 8a treibt den ISO-Wert auf über 5000, während das Pixel 8 Pro mit nahezu der Hälfte auskommt. Hier wird deutlich, dass das Pixel 8 Pro die stärkere Leistung zeigt: Das Wasser weist mehr Details auf, die Farben wirken natürlicher, während das Pixel 8a einen leichten Gelbstich erkennen lässt. Auch hier entspricht das Bild nicht ganz dem, was tatsächlich zu sehen war – der Himmel wirkt heller als in Wirklichkeit. Das Pixel hat hier das letzte Licht des Tages verstärkt.

Das Pixel 8a schlägt viele Konkurrenten bei Aufnahmen bei wenig Licht – besonders in seiner Preisklasse –, doch das Pixel 8 Pro bleibt die bessere Kamera. Aber ist es auch mehrere Hundert Euro mehr wert? In diesem Bereich schließt Googles KI die Lücke zur besseren Hardware.

Zoom-Leistung

Kommen wir zu den Zoom-Objektiven. Eine Silbermöwe steht bereit, um zu zeigen, welchen Unterschied eine optische Linse macht. Genau das könnte der Moment sein, der dich dazu bewegt, etwas mehr zu investieren.

Das Pixel 8a hat keinen optischen Zoom, sondern nur einen digitalen, der bis zu 8x reicht. Für diese Silbermöwe habe ich auf 5x gezoomt und das auf dem Pixel 8 Pro angepasst. Zur Erinnerung: Beim Pixel 8 Pro kommt dabei das Periskop-Objektiv zum Einsatz, also ein echter optischer Zoom.

Der Unterschied ist gewaltig. Im Bild des Pixel 8 Pro stimmt einfach alles: Schärfe, Detailreichtum, Farbgebung – da gibt es keine Konkurrenz. Die Möwe wirkt sogar noch majestätischer. Zwar erkennt man auf dem Pixel 8a noch, was abgebildet ist, doch mit zunehmendem digitalen Zoom nimmt die Bildqualität schnell ab.

Im nächsten Bild ist das Boot mit der blauen Abdeckung beim Pixel 8a mit 8-fachem digitalem Zoom aufgenommen. Beim Pixel 8 Pro handelt es sich dagegen nur um einen leichten digitalen Zoom über das Teleobjektiv – und das Ergebnis ist deutlich besser.

Um zu zeigen, wie überlegen das Pixel 8 Pro hier ist, habe ich ein 30-fach-Foto des Mastes direkt neben diesem Boot beigefügt. Das Bild bleibt noch klar und recht scharf, wenn auch mit ersten Qualitätseinbußen, zeigt aber eindrucksvoll, wie leistungsfähig der Zoom des Pixel 8 Pro ist.

Doch es liegt nicht nur an diesem Objektiv. Auch auf der 2-fachen Zoomstufe liefert das Pixel 8 Pro die besseren Ergebnisse. Hier handelt es sich bei beiden Geräten um digitalen Zoom über den Hauptsensor. Ein Blick auf die Tribüne zeigt erneut: Das Bild des Pixel 8 Pro ist deutlich überlegen, vom Zaun im Vordergrund bis hin zu Farbe und Detailgrad der blauen Sitze.

Um die Überlegenheit des Pixel 8 Pro zu verdeutlichen, spiegelt das Foto des Kiefernzapfens dieses Gefühl wider. Sicher, das Foto des Pixel 8a sieht bei 5-fachem digitalem Zoom tatsächlich gut aus, aber das Pixel 8 Pro ist wieder schärfer und weniger ausgewaschen.

Makro- und Nahaufnahmen

Apropos näherer Zoom, es gibt ein weiteres Extrem: Makro. Makrofotografie wird oft mit Fotos von kleinen Dingen verbunden, aber eigentlich geht es dabei darum, den Fokus zu setzen, wenn das Objektiv nah am Motiv ist, damit Dinge „groß“ aussehen. Wie bereits erwähnt, verfügt das Pixel 8a nicht über den Makromodus des Pixel 8 Pro – und das macht sich bemerkbar.

Gehst du mit dem Pixel 8a zu nah an ein Motiv heran, fordert es dich zum Zurückweichen auf, um die Schärfe zu verbessern. Das Pixel 8 Pro hingegen wechselt automatisch das Objektiv, ermöglicht so Aufnahmen aus nächster Nähe – oder sorgt einfach dafür, dass mehr im Bild scharf ist. Auch hier sind die Ergebnisse grundlegend verschieden.

Nehmen wir die Espressotasse aus der oben gezeigten Galerie. Beim Pixel 8 Pro ist ein Großteil der Tasse scharf, das Bild wirkt klar und auch der Hintergrund zeigt noch Details. Das Pixel 8a bekommt keinen richtigen Fokus hin, wodurch das gesamte Bild weich wirkt.

Das Gleiche findet sich auf dem Nespresso Victorinox-Messer: Das Foto des Pixel 8 Pro ist scharf, aber das Pixel 8a kann aus dieser Nähe nicht das gleiche Ergebnis liefern. Das macht das Pixel 8 Pro als Kamera noch vielseitiger.

Leistung der Selfie-Kamera

Dreht du die Kamera nach vorn, kommen die Selfie-Kameras ins Spiel. Das Pixel 8a ist deutlich breiter als das Pixel 8 Pro, aber das Flaggschiff-Telefon verfügt über Autofokus, was es zu einer viel nützlicheren Kamera macht.

Das Pixel 8a bietet für Selfies 1,0x und 1,4x Zoom, beim Pixel 8 Pro sind es 0,7x und 1,0x. Das 1,4-fache beim 8a entspricht ungefähr dem gleichen Bildausschnitt wie das 1,0-fache beim 8 Pro.

Bei Tageslicht gibt es abgesehen vom größeren Bildwinkel kaum Unterschiede: Beide liefern sowohl klare Fotos als auch Porträts mit schönem Bokeh-Hintergrund.

Das Pixel 8 Pro nutzt den Autofokus etwas besser, sodass Vorder- und Hintergrund bei Bedarf natürlicher getrennt werden – ganz ohne künstliche Unschärfe.

Bei wenig Licht kannst du bei Selfies den Night Sight-Modus einschalten, der deutlich bessere Ergebnisse bringt als der Standardmodus. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen liefert das Pixel 8 Pro hier fast immer bessere Bilder.

KI-Funktionen: Smart Editor und mehr

Google Fotos spielt eine wichtige Rolle, wenn du ein Pixel-Telefon benutzt. Das Pixel 8 Pro hat mit dem Magic Editor und weiteren KI-Funktionen wie Best Take Premiere gefeiert, und auch das Pixel 8a profitiert davon.

KI kann Hintergründe verwischen, Objekte verschieben, Dinge entfernen, den Himmel oder das Wasser verändern und sogar neue Elemente in deine Fotos einfügen. Aber wenn ein Bild unscharf, zu dunkel oder stark überbelichtet ist, hilft auch die beste KI nicht – deshalb solltest du mit einem guten Foto starten, bevor du bearbeitest.

Die Nutzungserfahrung ist fast gleich, und wie am Anfang erwähnt, liegt der einzige wirkliche Unterschied bei den KI-Funktionen in den Video-Optimierungen, die das Pixel 8a nicht hat.

Wichtig zu wissen: Wer ein Pixel nutzt, hat gegenüber anderen Android-Geräten einen klaren Vorteil: dank dem Magic Editor stehen unbegrenzt viele Bearbeitungen zur Verfügung. So kannst du Fotos ganz einfach verbessern, störende Elemente entfernen oder kreativ bearbeiten.

Pixel 8a vs. 8 Pro Kamera: Fazit

Wenn wir eine Punktetabelle führen würden, wäre das Pixel 8 Pro der Gewinner. Technisch kann es alles, was das Pixel 8a kann – und noch viel mehr. Das teurere Modell schneidet in unserem Test klar besser ab. Die Frage ist aber, ob es sich lohnt, dafür extra zu zahlen.

Der größte Unterschied ist das Teleobjektiv. In den anderen Bereichen der Kamera sind die Unterschiede gering, wie in der letzten Galerie oben zu sehen ist, und selbst dort, wo das Pixel 8a nicht ganz mithalten kann, bleibt es im Vergleich zur Konkurrenz absolut konkurrenzfähig. An die Telefoto-Leistung des Pixel 8 Pro kommt es allerdings bei weitem nicht ran.

Letztlich, wenn man alle Aufnahmearten, die unterschiedliche Hardware und die ganze KI-Magie beiseitelegt, zahlt man aus fotografischer Sicht beim Pro-Modell vor allem für den besseren Zoom. Kein Interesse daran? Dann ist das 8a definitiv eine sehr gute Wahl.

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Chris Hall

Chris has been writing about consumer tech for over 15 years. Formerly the Editor-in-Chief of Pocket-lint, he's covered just about every product launched, witnessed the birth of Android, the evolution of 5G, and the drive towards electric cars. You name it and Chris has written about it, driven it or reviewed it. Now working as a freelance technology expert, Chris' experience sees him covering all aspects of smartphones, smart homes and anything else connected. Chris has been published in titles as diverse as Computer Active and Autocar, and regularly appears on BBC News, BBC Radio, Sky, Monocle and Times Radio. He was once even on The Apprentice... but we don't talk about that. 

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