Bilal Fahmi
Jeweils gegen Ende September und Anfang Oktober holt mich jährlich eine gewisse Smartwatch-Müdigkeit ein. In dieser Zeit erscheinen traditionell viele der großen Neuheiten – die neue Apple Watch, Pixel Watch sowie weitere Modelle.
Obendrein hat Garmin 2025 gefühlt Millionen neuer Wearables herausgebracht, und auch Marken wie Coros oder Amazfit scheinen fest entschlossen, so viele Uhren wie möglich auf dem Markt zu launchen.
Nachdem ich dieses Jahr fast alle Modelle getestet hatte, konnte ich mir irgendwann nicht mehr vorstellen, mich mit einer weiteren Smartwatch auseinanderzusetzen – zumindest für eine Weile.
Keine HRV-Daten, kein Problem
Mein ursprünglicher Plan war, gar nichts am Handgelenk zu tragen – und das hat erstaunlich gut funktioniert. Klar, ich wusste nicht, wie hoch der Anteil meines Tiefschlafs war oder wie sich der 7-Tage-Durchschnitt meiner Herzfrequenzvariabilität entwickelt hat.
Ich habe meine Workouts einfach mit dem Handy getimt und angefangen, meine Läufe mithilfe der mobilen Aufzeichnungsfunktion von Strava zu tracken. Meine Krafttrainings habe ich jeweils in ein kleines Notizbuch eingetragen. Im Großen und Ganzen habe ich die typischen Smartwatch-Funktionen nicht vermisst – bis auf eine Sache.
Bei all den Gesundheits-, Fitness- und Wellnessfeatures war das Einzige, was mir ironischerweise wirklich gefehlt hat, schlicht die Uhrzeit. Ohne Uhr habe ich ständig aufs Handy geschaut – und war dabei schneller wieder in den sozialen Medien unterwegs, als mir lieb war.
Der große Lagerraum-Fund
Ein paar Tage nach Beginn des Experiments habe ich mir vorgenommen, endlich mein Lagerraumbüro auszumisten. Überall standen Kisten voll mit allem Möglichen: Workout-Kopfhörern, Drohnen, Action-Cams, Laufschuhen. Kurz gesagt: das komplette Chaos.
Beim Ausräumen einer Schublade fiel mir auf, dass ich noch die Timex Ironman x James Brand Collection Digitaluhr hatte. Genau das, was ich gebraucht habe! Eine Uhr, die einfach nur die Zeit anzeigt – herrlich unkompliziert.
Zwei Wochen lang trug ich die Timex Ironman. Sie zeigte mir die Uhrzeit an, timte meine Workouts und sah dabei auch noch richtig stark aus. Was will man mehr? Außerdem mochte ich, dass ich das Armband nicht so eng tragen musste wie bei einer Smartwatch, bei der der Sensor möglichst nah an der Haut sitzen soll. Nachts legte ich sie sowieso ab, Schlaf kann sie schließlich nicht tracken.
Es war richtig erfrischend, sich mal keine Gedanken über Stresswerte oder den Blutsauerstoff zu machen. Ironischerweise hatte ich das Gefühl, mein Stresslevel sank genau in dem Moment, als ich aufhörte, es zu messen. Heute wird ja wirklich alles getrackt – nur medizinisch ist das Ganze eben doch nicht.
Datenüberflutung und Wearable-Schleudertrauma
Ein weiteres Problem beim Testen von Smartwatches ist, dass man ständig zwischen verschiedenen Ökosystemen hin- und herspringt. Meine Garmin Forerunner 970 gibt mir bestimmte Empfehlungen, doch sobald ich zur Apple Watch Ultra 3 wechsle, sehen die Trainingsvorschläge wieder ganz anders aus.
Die Samsung Galaxy Watch 8 Classic legt den Fokus auf Gesundheit und Erholung, während die Huawei Watch Ultimate 2 mehr Wert auf emotionales Wohlbefinden legt. Am Ende versuchen alle Algorithmen, mich auf ihre eigene Weise zu „optimieren“. Das sorgt allerdings eher für Verwirrung, als dass es mich tatsächlich weiterbringt.
Zu viel des Guten
Abgesehen von der unterschwelligen Angst, bieten moderne Wearables mittlerweile fast zu viele Fitnessfunktionen. Früher war die Apple Watch beim Lauftracking eher mittelmäßig – heute kann sie fast alles.
Heute lässt sich mit Wearables praktisch alles tracken – vom Tauchen bis zum Bergsteigen, plus einer endlosen Auswahl an Lauf-, Rad- und Wanderfunktionen. Ich kenne Leute, die in Testphasen mit vier Smartwatches, zwei Smart Rings und einem Brustgurt gleichzeitig laufen. Klingt verrückt, aber wie sollte man sonst herausfinden, welche der Messungen wirklich stimmt?
So sehr ich die smartwatchfreie Zeit auch genossen habe, wird es jetzt wieder Zeit für mich, in die Welt der Smartwatches einzutauchen. Neue Modelle warten schon, zum Beispiel die Coros Nomad und die Coros Apex 4.
Zukünftig nehme ich mir vor, regelmäßig kleine Wearable-Detox-Phasen einzulegen, um den Kopf wieder freizubekommen. Und wer weiß – vielleicht hilft das ja, meine Begeisterung für die Technik wiederzufinden.

Matt Kollat is a journalist and content creator who works for T3.com and its magazine counterpart as an Active Editor. His areas of expertise include wearables, drones, fitness equipment, nutrition and outdoor gear. He joined T3 in 2019. His byline appears in several publications, including Techradar and Fit&Well, and more. Matt also collaborated with other content creators (e.g. Garage Gym Reviews) and judged many awards, such as the European Specialist Sports Nutrition Alliance's ESSNawards. When he isn't working out, running or cycling, you'll find him roaming the countryside and trying out new podcasting and content creation equipment.